Chemie wird digital – Jörg Hellwig von LANXESS & CheMondis #79

Challenge: Wie lässt sich die konservative Chemiebranche digitalisieren? Lösungen sucht und findet unser Podcast-Gast Jörg Hellwig in seiner Rolle als Chief Digital Officer der Spezialchemie-Firma LANXESS und als Gründer von CheMondis, dem B2B-Onlinemarktplatz für die Chemieindustrie. Im Podcast spricht er mit KEMWEB CEO Oliver Kemmann über die digitale Transformation und die Zukunft seiner Branche.

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Bei LANXESS sorgt Jörg dafür, dass ein in der konservativen Chemiebranche verankertes Unternehmen „data-enabled“ und damit erfolgreicher wird. Dafür prüft sein Team Arbeitsprozesse und Produktionsabläufe, um sie digital und besser zu machen. Konkretes Beispiel: Enorme Produktionssteigerungen ohne Investments, dank gemeinschaftlicher Arbeit von Anlagenbetreibern und Data Scientists.

Von der Notwendigkeit seiner Arbeit ist Jörg überzeugt. Denn: Wenn sich die Märkte in Zukunft dramatisch verändern, werden Themen wie Künstliche Intelligenz und unternehmerische Kollaboration in Form von digitalen Plattformen und Datenaustausch über die Überlebensfähigkeit im internationalen Wettbewerb entscheiden.

Was Jörgs Start-up CheMondis genau macht? Und wie er über den Startup-Markt in der Chemiebranche denkt? Das alles erfahrt ihr in der neuen Folge unserer IMPULSE!-Reihe von „Das Digitale Sofa“.

Shownotes:

Webseite von LANXESS

Webseite von Jörgs Startup CheMondis

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ALLE THEMEN DES PODCASTS MIT JÖRG HELLWIG IM ÜBERBLICK:

  • Wieso LANXESS verstärkt digitale Technologie einsetzt (ab 00:45)
  • Wie Digitalisierung Kapazitätserweiterungen möglich macht (ab 05:46)
  • Fehlerkultur und lebenslanges Lernen (ab 07:04)
  • Analoge und digitale Netzwerke (ab 13:35)
  • Die Zukunft der Chemiebranche (ab 15:35)
  • CheMondis und die Kölner Startup-Szene (ab 20:14)

PODCAST-ZUSAMMENFASSUNG

Jörg Hellwig ist seit drei Jahren Chief Digital Officer bei Lanxess in Köln. Die Spezialchemie-Firma ist global aufgestellt und im MDAX gelistet. Jährlicher Umsatz: sieben Milliarden. Was Jörgs Aufgabe im Unternehmen als Chief Digital Officer ist? Digitale Technologie in das in der konservativen Chemieindustrie verankerte Unternehmen bringen, um noch erfolgreicher zu werden. „Ich bin kein Techi, ich bin kein ITler, sondern ich komme ganz tief aus dem Geschäft. Für viele Jahre habe ich die Geschäfte geleitet.“ Für Jörg ist digitale Transformation ein Geschäftsprojekt. Ziel ist es, die Arbeitsprozesse von LANXESS in Zukunft schneller und effektiver zu machen. Dafür schaut sich Jörg mit einem Team die verschiedenen Arbeitsabläufe an, um zu prüfen, ob Prozesse digital besser gelöst werden können. Noch vor drei Jahren war LANXESS zwar voll automatisiert, von Digitalisierung allerdings keine Spur.

Akzeptanz für Neues schaffen

Jörg ist überzeugt von seiner Arbeit, allerdings stünde die digitale Transformation noch am Anfang. Eine von Jörgs zentralen Aufgaben neben der Verbesserung der Arbeitsprozesse ist es, Akzeptanz bei den Mitarbeitern für die neue Technologie zu schaffen. „Aber es ist in einer Form immer das Wichtigste, eine Akzeptanz zu schaffen und Akzeptanz kommt dadurch, dass man auch darstellen kann, dass ein Einsatz einer solchen Technologie Sinn macht, dass es sinnhaft ist, damit Zeit zu verbringen, zu lernen […] diese Angst zu nehmen, dass da etwas Neues kommt, dass man sich verändern muss, dass der Arbeitsplatz sich verändert, aber das ist eine Riesenchance ist und niemand davor Angst haben muss.“

Erfolge konnten schließlich mit der neuen Technologie bereits gefeiert werden: Mit dem Team aus dem Betrieb konnte eine Kapazitätserweiterung von 4% erreicht werden, ohne auch nur einen Euro investiert zu haben. Nur durch reine Datensichtung, Prozess- und Rezepturveränderung konnte eine Produktionssteigerung erreicht werden. „[I]nsgesamt können wir nachweisen, dass dieser Einsatz der neuen Technologien zum Teil dramatische Erfolge bringt“.

Deutschland und die Fehlerkultur

Jörg selbst ist kein Freund einer Fehlerkultur. „Wir als Deutsche sind niemand, der gerne Fehler macht. Das heißt also ich nenne es eher eine Risikokultur, dass wir bereit sind, gewisse Risiken einzugehen“.  Trotzdem sei es wichtig, dass man bereit ist, Neues auszuprobieren und schnell reagiert, wenn man sieht, dass das Projekt nicht läuft, um die Ressourcen für das nächste Projekt nutzen zu können. Es sei eine Führungsaufgabe, die ständige Weiterentwicklung zu ermöglichen. Niemand müsste alles können, aber man bräuchte Grundkenntnisse im Bereich Digitalisierung. „[A]uch unser CEO sagt, er muss jeden Tag lernen. Es sind Sachen, die er in seiner Karriere bis jetzt nicht gemacht hat“. Konkret hieße das, Entscheidungen zu treffen, Impulse zu geben und mehr steuern als zu kontrollieren.

Netzwerken ist das A und O

„Ich bin ein fast schon fanatischer Netzwerker“, so Jörg. Der Austausch mit anderen sei ihm sehr wichtig, und er investiere viel Zeit darin.  Ziel sei es, sich „mit so vielen Leuten wie möglich auszutauschen, zu lernen, nicht zu fragen: Was hab ich jetzt davon […]?“. Man dürfe nichts ausschließen, heutzutage sei ein digitales Netzwerk unabdingbar. Gerade in Zeiten von ständigen neuen Entwicklungen und neuer Technologie, sich schnell bewegenden Märkten, sieht er digitale, aber auch analoge Netzwerke als Chance, um einen Nutzen aus Wissensaustausch zu ziehen, Arbeit zu erleichtern und weiterzuentwickeln.

Mehr unternehmerische Kollaboration

Laut Jörg werden sich die Märkte in Zukunft dramatisch verändern und Netzwerke eine immer größere Rolle spielen. Denn die chemische B2B-Welt wird mehr auf Plattformen arbeiten und über Vernetzung in Systemen arbeiten. Auch die Vernetzung von unternehmerischen Wertschöpfungsketten und der Einsatz von künstlicher Intelligenz werde dazu beitragen, Co2-Reduktion ohne Leistungseinschränkungen zu ermöglichen. Die Kombination aus unterschiedlichen Technologien und die Befähigung der unterschiedlichen Menschen, dass zu verstehen und zu bedienen, werde Unternehmen erfolgreicher im weltweiten Wettbewerb machen. Unternehmen müssten offener sein und Erfahrung, Wissen und Daten untereinander austauschen. Unternehmerische Zusammenarbeit in Verbindung mit Digitalisierung seien grundlegend, um die deutsche Chemiebranche im internationalen Vergleich zu behaupten.

CheMondis und die Kölner Startup-Welt

Jörg gründete vor zwei 2 Jahren das Startup CheMondis in Köln. CheMondis stellt eine digitale B2B-Plattform für die chemische Industrie dar, quasi ein virtueller Marktplatz. Das Startup wurde mit den Kenntnissen und der Finanzkraft von LANXESS ausgestattet, stellt aber trotzdem eine unabhängige Firma dar. „[W]ir haben sie von vornherein als unabhängige Firma aufgestellt.“ Jörg arbeitet viel mit Startups zusammen. – in Köln tut sich viel im Startup Bereich, allerdings müsse noch viel passieren, um in Zukunft international wettbewerbsfähiger zu sein. 

Wie Corona sich auf die Digitalisierung bei LANXESS auswirkt? Das erfahrt ihr in der neuen Folge unserer IMPULSE!-Reihe von „Das Digitale Sofa“!

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