Mehr Weiblichkeit in der Wirtschaft – Melanie Schütze von nushu #73

Foto von Podcastgast Melanie Schütze vom Karrierenetzwerk für Frauen nushu

Es gibt kein berufliches Netzwerk, in dem ich mich als Frau auf Augenhöhe entspannt über meine Themen austauschen kann? Gründe ich halt mein eigenes! Das ist die Story von Melanie Schütze und nushu, ihrem Karrierenetzwerk für Frauen.

In unserer neuen Podcastfolge spricht die Gründerin mit KEMWEB Gründer und CEO Oliver Kemmann mit viel Verve über ihren Einsatz für mehr Weiblichkeit in der Wirtschaft und ihre Erfahrungen als Frau in einer männlichen (Business-)Welt.

Wie können Frauen ganz individuell Einfluss nehmen, um irgendwann eine chancengerechte Welt zu erreichen? Warum können in dieser gerade die Männer ganz viel gewinnen? Und wo kann jeder direkt heute schon anfangen, Dinge zu ändern? Das alles erfahrt ihr in der neuen Female-Leadership-Folge von „Das Digitale Sofa“!

Shownotes:

Website nushu

Mellys LinkedIn-Profil

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ALLE THEMEN DES PODCASTS MIT MELANIE SCHÜTZE IM ÜBERBLICK:

  • Wofür nushu steht und wie es zur Gründung kam (ab 00:35)

  • Wie Frauen und Männer gemeinsam eine chancengerechte Welt erreichen (ab 09:58)

  • Wie Frauen ihre Realität individuell gestalten: der Schmetterlingseffekt (ab 15:00)

  • Über die Frauenquote und welchen Nutzen Männer daraus ziehen (ab 22:26)

  • Über toxische Männlichkeit und Privilegien (ab 29:30)

PODCAST-ZUSAMMENFASSUNG

„[D]ie meisten Frauen sind sehr überzeugt davon, dass es was zu ändern gilt“, so Melanie Schütze vom Team nushu. Melanie ist Gründerin eines Businessclubs für Frauen, der das Ziel hat, mehr Weiblichkeit in die Wirtschaft zu bringen. nushu ist ein branchenübergreifendes, positionsunabhängiges Netzwerk. Auf den Kunstnamen nushu kam Melanie beim Lesen eines Romans, in dem Frauen ihre eigene Geheimsprache entwickelt haben. Nushu ist die einzige bekannte geschlechtsspezifische Schriftsprache, die auf der Welt entwickelt wurde.

Melanies Grundgedanke: „Wir leben in einer männlich geprägten Welt, besonders im Bereich der Wirtschaft.“ Frauen sind noch nicht lange ein Teil der Wirtschaft, weshalb diese maßgeblich von Männern gestaltet worden ist und dementsprechend männliche Verhaltensweisen gelten. Frauen müssten sich diesen Verhaltensweisen anpassen, was mit viel Kraftaufwand verbunden wäre, so Melanie. Sie will stattdessen lieber das System ändern und damit einen gesellschaftlichen Mehrwert leisten. Denn die Wirtschaft sollte den Menschen dienen und nicht andersherum.

Female Purpose

Melanie, von Haus aus BWLerin, hat mit nushu 2018 ihr eigenes Netzwerk gegründet. Nach der vergeblichen Suche nach einem geeigneten Businessclub zum Netzwerken, entschied sie sich ihr eigenes Netzwerk zu gründen. Und dieser sollte ein reiner Businessclub für Frauen werden – denn Melanie hatte sich schon öfter gefragt, wo denn die Frauen in den sonstigen Businessclubs wären. Sie durchforstete ihren gesamten Freundes- und Bekanntenkreis nach Kontakten zu anderen Businessladies und lud sie zu einem Event ein.  Das Event war ein voller Erfolg, die Resonanz mehr als gut und die Anfrage groß. Nach 2 Jahren entschied sich Melanie ihre Initiative in den Businessclub nushu umzuwandeln. Finanziert wird der Club durch Mitgliedsbeiträge und Kooperationen mit Unternehmen. Bei nushu wird viel Wert auf persönlichen Kontakt und Austausch gelegt. Im Schnitt finden pro Monat 10 Events pro Monat statt, um möglichst viel persönlichen Erfahrungsaustausch zu arrangieren.

Was muss passieren, damit nushu überflüssig wird?

Eine Frage, die komplex zu beantworten ist. Melanie ist sich sicher: Die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit müssen Männer und Frauen gemeinsam angehen, um etwas langfristig zu ändern. Es müsste sehr viel passieren, um die Ungerechtigkeit, die in fast allen Bereichen der Wirtschaft existent ist, auszuräumen. Stichworte: Quote, Equal Pay, flexiblere Arbeitszeitmodelle, Remote Work und Care Arbeit. Es ist nicht nur eine politische, sondern auch eine persönliche Debatte, wie Frauenjobs honoriert werden. Es spricht für sich, dass nur 15% der Start-ups seit 2008 von Frauen gegründet worden sind. Laut Melanie stecken Investoren ungern Geld in weibliche Start-up-Unternehmen. „Wir sprechen über unglaublich viele Bias. Wir sprechen über unglaublich viel Psychologie. Wir sprechen über so viele Facetten. Dies zu ändern gilt und wo die Awareness wichtig ist. Dass die Frage sehr komplex und leider nicht so leicht zu beantworten ist“.

Um diese Monokultur in der Wirtschaft zu ändern, hat Melanie nushu gegründet. Sie will allerdings nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern gemeinsam mit Männern diese Tatsache ändern.

Über den Schmetterlingseffekt

Wie können Frauen individuell ihren Alltag diesbezüglich ändern? Wenn es nach Melanie geht, sollten Frauen selbst in Aktion treten und nicht auf das Handeln der Politik warten. „Weil es auch was mit Mündigkeit zu tun hat und weil das auch etwas mit Selbstverantwortung zu tun hat und weil das auch was mit Gestaltung zu tun hat in der Realität, in denen wir leben wollen“. Frauen hätten Möglichkeiten, diese Realität individuell zu gestalten. Sei es, sich während des Meetings vom Kollegen nicht mehr ins Wort fallen zu lassen oder einfach mal die Hand zu heben, wenn es darum geht, wer befördert werden soll. Frauen sollten sich über ihre Löhne und ihre finanzielle Absicherung Gedanken machen. Wenn genau das immer mehr und mehr Frauen umsetzen würden, würde sich irgendwann ein Schmetterlingseffekt einstellen: Es würde im Kleinen anfangen und sich zu etwas Großem entwickeln. Denn Frauen sollten sich bewusst machen, dass sie Macht haben: Sie sind Wählerinnen, viele sind Akademikerinnen und haben eine sehr gute Ausbildung durchlaufen. Sie sind Mütter und ziehen die Generation von morgen groß, deren weiblicher Anteil es in Zukunft leichter haben sollte. Das sind nur einige der Gründe, weshalb Frauen selbstbewusster und mutiger auftreten sollten.

Gleiche Privilegien für alle

Melanie ist überzeugt: Die Quote ist notwendig. Sie denkt, der „Kuchen ist groß genug“, um ihn fair untereinander aufzuteilen. Männer würden dabei gewinnen, weil sie z.B. eher die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder aufwachsen zu sehen und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, wenn stattdessen die Frauen arbeiten gehen würden. Ein Beispiel: Wenn beide Partner auf derselben Position gleich viel verdienen würden, wäre auch auf der privaten Ebene die Chancen, wer für die Kinder zuhause bleibt, fairer verteilt.

Aktuell hat Melanie allerdings das Gefühl, dass Männer nach wie vor Angst haben, ihre Privilegien in der Wirtschaft aufgeben zu müssen. Ob bewusst oder nicht, jeder umgibt sich gerne mit Menschen, die einem ähnlich sind, weil es eben leichter fällt. D.h. die vorherrschende Besetzung bleibt unter sich, sprich Männer bleiben auch unter ihresgleichen. Melanie spricht außerdem von einer toxischen Männlichkeit: Dabei geht es um den Umgang der Männer untereinander. Die klassischen Attribute, wie ein Mann sein sollte, sollten diese überdenken. Laut ihr würden Männer zwar gerne eine Veränderung zugunsten einer weiblicheren Wirtschaft mitgestalten, allerdings würde die notwendige Eigenreflektion dafür fehlen. Männer bräuchten meistens einen externen Impuls, um die Veränderung anzugehen. Diese Achtsamkeit würden Männer oft erst an den Tag legen, wenn sie Väter von Töchtern werden, weil mehr Betroffenheit für Thema aufkäme. Melanie wünscht sich stattdessen mehr Eigenreflektion. Schließlich wäre die Lage der Frauen kein Geheimnis, es gäbe regalweise Literatur zu diesem Thema.

Welche Tipps Melanie für Kemweb CEO Oliver Kemmann hat, wie er seine Agentur gleichberechtigter gestalten kann? Was sie sich für die Zukunft wünscht? Das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Folge von „Das Digitale Sofa“.

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