Verantwortungseigentum – Dominique Döttling, Executive Coach & Consultant #83

Bosch, Zeiss, einhorn haben eines gemeinsam: Sie gehören zu den über 200 Unternehmen in Deutschland, die sich in Verantwortungseigentum befinden. Was das heißt, erklärt Dominique Döttling in der neuen Podcastfolge. Die selbstständige Unternehmensberaterin spricht mit KEMWEB CEO Oliver Kemmann dabei über persönlichen und unternehmerischen Purpose.

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Als Expertin berät Dominique Organisationen hinsichtlich Business Transformation und stellt fest: Die heutigen Veränderungsprozesse in Unternehmen sind oft geprägt von Fragen zu Sinn und Zweck des zukünftigen unternehmerischen Handelns. Denn: Kapitalismus wird immer komplexer; unternehmerische Selbstwirksamkeit bleibt dabei oft auf der Strecke.

Eine Lösung für dieses Problem stellt das Verantwortungseigentum als zukunftsweisender Unternehmenstypus dar. Dabei werden Entscheidungen in einer Organisation nur von Menschen getroffen, die in diesem auch tätig sind. An Gewinnen haben sie allerdings nicht teil, da diese in das Unternehmen reinvestiert werden. Ziel ist es, im Sinne des ursprünglichen Unternehmenszwecks zu handeln und nicht reinen monetären Interessen zu folgen.

Wie das Konzept genau funktioniert? Und welche Erfahrungen Dominique mit Female Leadership und Diversity gemacht hat? Das und vieles erfahrt ihr in der Vor-Weihnachtsfolge von das „Digitale Sofa“!

Shownotes:

Webseite von Dominiques Unternehmensberatung

Webseite der Stiftung Verantwortungseigentum

LinkedIn Profil von Dominique

Webseite des Mainzer Weinsenat, deren Konsulin Dominique ist

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ALLE THEMEN DES PODCASTS MIT DOMINIQUE DÖTTLING IM ÜBERBLICK:

  • Wie man Expertin für Veränderungsmanagement wird (ab 0:52)
  • Die Rolle von (Business-)Netzwerken (ab 6:50)
  • Über das große Warum oder über den Purpose (ab 10:40)
  • Das System des Kapitalismus und Verantwortungseigentum (ab 15:19)
  • Neue Rechtsformen und Stiftungen (ab 22:04)
  • Vielfältige Teams: Ihre Probleme und ihr Gewinn (ab 30:05)
  • Künstliche Intelligenz und die heutige Datenlage (ab 33:10)

PODCAST-ZUSAMMENFASSUNG

In der aktuellen Folge des „Digitalen Sofas“ sprechen KEMWEB CEO Oliver Kemmann und Unternehmensberaterin Dominique Döttling über das Thema Verantwortungseigentum. Für die Expertin ist das ein zukunftsweisendes Schlüsselthema, um Veränderungsprozesse herbeizuführen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage nach dem WARUM.

Der Purpose

Wie und warum arbeiten Menschen zusammen? Wie können Menschen im Team noch bessere Ideen entwickeln? Und warum mache ich das alles? Diese Fragen steht für Dominique am Anfang jedes Veränderungsprozesses, denn der persönliche Purpose eines Mitarbeitenden und die tägliche Arbeit sind nicht selbstverständlich deckungsgleich. Daher nehmen (Business-)Netzwerke immer größeren Raum ein, denn die Menschen haben den Wunsch, ihrem eigenen Purpose entsprechend zu arbeiten und auch die Freiheit zu haben, Jobs abzulehnen. Um sich dem „Warum“ zu nähern, empfiehlt die Expertin Coaching, um zu lernen, mit viel Fingerspitzengefühl, die richten Fragen zu stellen und mit Empathie zuzuhören. Anstatt nur nach den Fakten, den „Whats“, zu fragen „Was kannst du gut?“, sollte man sich offeneren und weicheren Fragen zuwenden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen: „Was ist für dich ein richtig toller Tag? Wo hast du dich sehr wohl gefühlt?“

Kapitalismus und Verantwortungseigentum

Der Sinn und Zweck der eigenen Arbeit, bleibt im zunehmend komplexer werdenden Kapitalismus auf der Strecke, meint Dominique. „Denn der [Kapitalismus] ist so komplex geworden und durch die vielen Finanztransaktionen, die laufen, ohne dass wir einen tatsächlichen, realen Mehrwert haben in der Wirtschaft, hat er [der Kapitalismus] sich auch auf eine Art und Weise verselbstständigt, dass Eigentum und Verantwortung tatsächlich getrennt sind.“ Als Beispiel kann man sich privatisierte Kliniken anschauen, in denen Eigentümer aus der Distanz auf das Unternehmen schauen und deren Ziel es ist, Rendite zu erzielen. Kranke und Ärzte sind aus wichtigen Entscheidungsprozessen herausgerutscht und das Ziel der Rendite hat sich vom eigentlichen Zweck der Klinik entfernt, nämlich Menschen gesund zu machen.
Verantwortungseigentum ist ein nun neuer Weg, das Positive im Kapitalismus wieder zu nutzen: Unternehmertum, Wirksamkeit und Freiheit. „Und dieses Verantwortungseigentum-Denken ist eine Antwort darauf zu sagen, dass diejenigen, die in einer Organisation tätig sind, tatsächlich auch die Entscheidungen treffen dürfen“, meint Dominique.

Hilfskonstrukt Stiftungen

Es gibt zahlreiche Unternehmen wie Bosch, Zeiss oder einhorn, die sich bereits im Verantwortungseigentum befinden. Hier halten Stiftungen ein Prozent der Firmenanteile und haben ein Veto-Recht, wenn Entscheidungen nicht mit einem Grundgedanken der Firma vereinbar sind. Die Grundvoraussetzung ist hier, dass Gewinne Mittel zum Zweck sind, das heißt, hauptsächlich reinvestiert werden. „Aber wichtig bei dem Gedanken ist tatsächlich, dass man Stimmrecht und Dividenden-Recht trennt. […] Das muss man als Grundsatz verstehen. Und das heißt, dass die Menschen, die die Entscheidungen treffen – also die Kontrolle darüber haben – diese haben Stimmrechte -oder man sagt dazu auch Treuhänder-Rechte.“ Die wesentlichen Prozesse werden von Mitarbeiter mitgestaltet.

Vielfalt als anstrengende Chance

Durch vielfältige Teams lernen wir Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und lernen, Empathie gegenüber anderen zu trainieren. Aus homogenen Teams bekommen wir in unserer komplexer und agiler werdenden Welt keine Antworten mehr. „Unsere Erfahrung ist es aber, vor allen Dingen im Business-Leben, dass je vielfältiger ein Team ist desto ineffizienter ist es. Es ist unsere Erfahrung, weil es mühsamer ist und länger braucht für Entscheidungen.“ Daher plädiert Dominique dafür, nicht alleine auf die Geschwindigkeit bei Entscheidungen zu schauen, sondern an sich selber zu arbeiten, empathisch zuzuhören und herauszuarbeiten, wie man heterogene Teams managen kann.

Radikale Veränderungen

Die Expertin für Veränderungsmanagement erhält immer mehr Anfragen von Unternehmen, die nicht nur kleine Prozesse verändern wollen, sondern grundlegende Strukturen. Dominique sieht aber auch die Angst vieler Menschen im Unternehmen, die ihre Rolle neu definieren müssen. Wie kann man ihnen die Angst nehmen? Wo fängt man bei der Veränderung an? „Also das allererste ist, ganz zuversichtlich zu überlegen: Was mache ich gerne und was mache ich gut. Und deswegen zuversichtlich, weil das ist genau das, warum du da bist. Weil du das gerne und gut machst. Und das ist ein Beitrag. Punktum. Und daran wird sich nichts ändern, egal wie viel Struktur wir verändern.“

Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, welche Chancen wir nutzen können, welche Beispiele es für Verantwortungseigentum gibt und welche Rolle zukünftig künstliche Intelligenz spielen wird, dann hört rein in die neue Folge von Das Digitale Sofa.

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